Was ist eigentlich ein Blower-Door-Test?

Von Dipl.-Bauing. Friedhelm Goldenstein, Sachverständiger für Schäden an Gebäuden (Büro GS-Ingenieure)

Diese Frage stellen sich viele Eigentümer eines Eigenheims. Auch jeder Bauwillige oder jede Bauherrschaft sollte sich diese Frage stellen. Die Antwort ist einfach: Mit dem Blower-Door-Test wird die tatsächliche Luftdichtheit (siehe Rand) des Gebäudes nachgewiesen. Das wirft wiederum zwei Fragen auf:
1. Warum ist die Luftdichtheit notwendig? 2. Wie wird die Meßung durchgeführt?

Zum Ersten:Es gibt keinen Grund bei dem Begriff Luftdichtheit zu erschrecken. Es ist nicht erstrebenswert ein Haus zu bauen, das Luftdicht ist wie eine Tupperdose. Dafür hat der Gesetzgeber den Begriff Mindestluftwechsel (siehe Rand) installiert. Jedoch sollte bei den gestiegenen und noch steigenden Energiekosten warme (teuer aufgeheizte) Luft nicht unkontrolliert das Haus verlaßen. Von effizienter Energieverwaltung kann dann keine Rede mehr sein, denn ein nur 1 mm schmaler Spalt in der luftdichten Ebene kann eine Halbierung der wirksamen Wärmedämmstärke bewirken.

Auch kommt es oft zu Zugerscheinungen bei Sturm und tiefen Außentemperaturen, die den Wohnkomfort stark senken können. Nicht zu vergeßen sind die möglichen Schäden am Gebäude (bis zur Schimmelpilzbildung), wenn warme und mit Wasser gesättigte Luft auf kalte Luft in der Bauwerkskonstruktion trifft. Denn hier tritt Tauwasser auf. Die Folge: keine Wärmedämmwirkung mehr und in kurzer Zeit die Zerstörung der feuchten Baustoffe.

Zum Zweiten: Man spricht beim Blower-Door-Test von einem Differenzdruckverfahren. Das heißt, es wird ein Ventilator in ein Fenster oder eine Tür (engl. Door) dicht eingebaut. Nachdem alle relevanten Öffnungen der Gebäudehülle (Türen, Fenster, Dachbodenluke etc.) geschloßen sind, wird mittels dieses drehzahlgeregelten Ventilators, zwischen innen und außen ein Unter- bzw. ein Überdruck erzeugt. Durch die vorhandenen Leckagen der Gebäudehülle strömt jetzt Luft.

Für Neubauten ist es jetzt wichtig, daß dieser Luftstrom die in der Energieeinsparverordnung gesetzten Mindestwerte nicht überschreiten. Denn es ist seit 1998 eine anerkannte Regel der Technik, einen Neubau Luftdicht zu bauen. Das heißt, ein Unternehmer hat unaufgefordert ein Gebäude luftdicht zu errichten bzw. der Bauherr hat das Recht auf ein luftdichtes Gebäude. So wird eine gute Qualitätssicherung gewährleistet.

Bei Altbauten können mit Hilfe des Blower-Door-Tests Lücken in der Wärmehülle gefunden werden. Hier wird das Gebäude mit Unterdruck beaufschlagt. So wird eine Windstärke von 4 bis 5 simuliert, also eine Alltagssituation in Ostfriesland. Mit Hilfe von z. Bsp. Wärmebildkameras können dann die Kälteströme sichtbar gemacht werden. Die schwachen Stellen werden dann gezielt und ohne unnötige Zerstörung verbessert.

Zusammenfassend ist der Blower-Door-Test, vor allem in Verbindung mit der Thermografie, ein sehr gutes Instrument zur Reduzierung des Heizenergiebedarfs und zur Steigerung des Wohnbefindens.



Eingebautes Blower-Door-Testgerät


Hier sieht man an den dunklen Verfärbungen deutlich, wie
kalte Luft durch die Fensteranschläge in das Innere strömt.





Goldenstein & Siebels Ingenieure
Nordener Straße 7
26556 Westerholt

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